Winterchaos über Schandelah: Kraniche und Gänse pendeln zwischen Schnee und Schneefreiheit
Schandelah – Über dem Kirschberg spielt sich derzeit ein außergewöhnliches Naturschauspiel ab. Tausende Kraniche und zahlreiche Gänsetrupps ziehen in diesen Tagen immer wieder über das Dorf hinweg – und das nicht in einer klaren Richtung. Der ungewöhnlich strenge Winter zwingt die Zugvögel zu einem kräftezehrenden Hin und Her.
In den vergangenen Jahren hatten viele Kraniche und Gänse aufgrund milder Winter zunehmend in Deutschland überwintert. Doch der aktuelle Wintereinbruch stellt dieses Verhalten auf den Kopf. Nach den starken Schneefällen vor zwei Wochen wichen zahlreiche in der Region verbliebene Vögel zunächst Richtung Süden aus. Am vergangenen Wochenende jedoch kehrten viele Schwärme wieder zurück und wurden erneut über Schandelah gesichtet.
Der Grund für dieses Pendeln liegt in den extrem unterschiedlichen Bedingungen: Während südlichere Regionen weitgehend schneefrei sind, herrscht rund um Schandelah weiterhin Winterkälte. Für die Vögel bedeutet das einen enormen Energieverlust – besonders, weil sie im Schnee kaum Nahrung finden. Das ständige Starten, Fliegen und erneute Umkehren kostet Kraft, die sie eigentlich für den Frühling benötigen.
Zudem führt das wechselhafte Wetter zu einem regelrechten „Zugstau“: Viele Schwärme sammeln sich in schneefreien Gebieten, zögern aber, weiterzuziehen, weil sich die Wetterlage täglich ändert. Sollte erneut Schnee angekündigt werden, könnten die Tiere abermals Richtung Süden abdrehen.
Für Spaziergängerinnen und Spaziergänger gilt daher: Abstand halten. Die Vögel sind durch die ständigen Flugbewegungen stark geschwächt und reagieren empfindlich auf Störungen. Besonders Hunde sollten nicht frei in die Rastbereiche laufen, da aufgescheuchte Tiere wertvolle Energie verlieren.
Langfristig zeigt sich dennoch ein Trend: Immer mehr Kraniche bleiben ganzjährig in Deutschland. Die offenen Agrarlandschaften rund um Schandelah bieten ihnen – anders als vielen anderen Vogelarten – geeignete Lebensräume. Auch erste Brutversuche in der weiteren Region wurden bereits beobachtet, was darauf hindeutet, dass sich die Art zunehmend dauerhaft ansiedelt.
Für die Tiere bedeutet das weniger Reiserisiko, aber in Jahren wie diesem bleibt der Winter eine Herausforderung. Die aktuellen Beobachtungen über dem Kirschberg machen deutlich, wie stark Zugvögel auf kurzfristige Wetterextreme reagieren – und wie sehr sie auf ungestörte Rastplätze angewiesen sind.
