Mobilität auf dem Lande: Abschied vom eigenen Auto?
Auf dem Land gilt das Auto noch immer als unverzichtbar. Es steht für Freiheit, Unabhängigkeit und Flexibilität – und nicht selten auch als Statussymbol direkt vor der Haustür. Doch dieses Selbstverständnis gerät zunehmend ins Wanken. Steigende Kosten, ökologische Verantwortung und veränderte Lebensrealitäten werfen eine zentrale Frage auf: Wann ist ein eigenes Auto bei immer weniger gefahrenen Kilometern noch sinnvoll – und wann steht es eigentlich nur noch herum?
Für viele Menschen wird individuelle Mobilität zur Belastungsprobe. Versicherung, Wartung, Reparaturen und steigende Kraftstoffpreise summieren sich, während das Auto im Alltag oft ungenutzt bleibt. Gleichzeitig passen Busverbindungen auf dem Land häufig nicht zur Lebenswirklichkeit: Die Taktung ist dünn, die Fahrtrichtung ungünstig, spontane Wege kaum möglich. Wer mobil sein will, zahlt – finanziell wie organisatorisch.
Dabei hat die Diskussion längst auch eine soziale und ökologische Dimension. Ein Auto pro Haushalt – oder gar pro Person – ist weder klimaschonend noch gerecht. Ältere Menschen, Jugendliche oder Haushalte mit geringem Einkommen geraten schnell ins Abseits, wenn Mobilität nur über privaten Autobesitz funktioniert. Der ländliche Raum droht so weiter auseinanderzufallen.
Eine mögliche Antwort liegt in neuen, gemeinschaftlichen Modellen. Statt das Auto als Statusobjekt zu betrachten, rückt es als gemeinsam genutzte Ressource in den Fokus. Dörfliche Netzwerke, genossenschaftlich organisiert, könnten Fahrzeuge bereitstellen, die per App gebucht werden – flexibel, günstig und bedarfsgerecht. Moderne Technik trifft dabei auf eine alte Idee: Teilen statt besitzen.
Das gemeinnützige ELMO-Autoteilen aus Erkerode und Evessen ermöglichen Mobilität, ohne dass jedes Auto ständig vor der eigenen Tür stehen muss. Sie reduzieren Kosten, entlasten die Umwelt und stärken zugleich den sozialen Zusammenhalt im Dorf. Wer heute fragt: „Kann ich mich von meinem eigenen Auto trennen?“, stellt damit nicht nur eine persönliche, sondern eine gesellschaftliche Weichenstellung.
Um diese Weichenstellung soll es auf der Sitzung der Verkehrs-AG des Ortsrates Destedt gehen und ELMO stellt sich dort auch vor. Die Veranstaltung möchte alle Interessierte rund um Destedt ansprechen, die sich gemeinsam auf diesen Weg machen möchten.
Montag, den 16.3 26 um 19.30 Uhr im Haus der Vereine in Destedt
Die Zukunft der Mobilität auf dem Land wird nicht allein auf vier Rädern entschieden. Sie liegt in klugen Kombinationen aus öffentlichem Verkehr, gemeinschaftlicher Nutzung und dem Mut, vertraute Gewohnheiten zu hinterfragen. Denn Mobilität bedeutet nicht zwingend Besitz – sondern Zugang.
Bild (privat): Dr. Diethelm Krause-Hotopp, Nicola Pöckler, Michael Fuder
